Laurentiuskirche

Das noch stark landwirtschaftlich geprägte Dorf Amstetten erhält durch den kraftvollen Bau der Laurentiuskirche einen unverwechselbaren Akzent. Ihr Ursprung dürfte in die Zeit um das Jahr 1000 zurückgehen. Jedenfalls weist das Patrozinium des hl. Laurentius in diese Zeit. Die Verehrung dieses Heiligen begann in Deutschland, nachdem Kaiser Otto I. mit der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg am 10. August 955, dem Tag des hl. Laurentius, die fortgesetzten Raubzüge ungarischer Reiterheere beendet hatte.

 

Tatsächlich stammen die ältesten Bauteile der Kirche aus der Zeit um 1000 und legen nahe, dass es sich bei diesem Bauwerk ursprünglich um eine Wehrkirche handelte. Deutliche Hinweise darauf zeigt der Turm mit seinen dicken Mauern und engen Schießscharten. Er war durch einen geheimen Zugang vom Dachboden aus zugänglich; dort lassen sich auch noch die Spuren des Daches der romanischen Vorgängerkirche erkennen, deren Firsthöhe viel niedriger war als die heutige Kirche.

 

Ihre heutige Gestalt verdankt die Kirche weithin einem gotischen Umbau von 1499. Die Bauinschrift findet sich über dem Südportal zusammen mit dem Steinmetzzeichen des Ulmer Münsterbaumeisters Bernhard Winkler von Rosenheim. Aus dieser Zeit stammt auch der Anbau der Sakristei mit einem gotischen Kreuzgewölbe an der Nordseite des Chores sowie der Bau des benachbarten Pfarrhauses. Der markante Turmabschluss entstand um 1580; seine reizvolle Flächengliederung zeigt neben spätgotischen Kielbögen bereits Züge der Renaissance.

 

Das Innere der Kirche überrascht mit reichen Kunstschätzen. Zu den wertvollsten Teilen gehören großflächige Wandmalereien, deren Meister unbekannt sind. Die gotischen Wandbilder der Nordwand aus der Zeit um 1380 zeigen Szenen aus dem Marienleben. Bedeutsam ist ferner der Renaissance-Zyklus aus der Zeit um 1630; es handelt sich um sechs große Wand- und 13 Emporenbilder mit umfangreichem dogmatisch-lehrhaftem Programm.

 

Die bewegliche Ausstattung der Kirche stammt aus der Barockzeit. Den Altar fertigte 1738 Georg Fink, Schreiner in Aufhausen; das Abendmahlsbild ist ein Werk des Geislinger Malers Johann Leonhard Schneider. Den Taufstein lieferte 1743 der Ulmer Steinmetz Johann Jakob Hacker, die Kanzel von 1745 stammt von Christoph Gottfried Rößle, Schreiner in Geislingen.   

 

Die erste Orgel kam 1764 in die Kirche. Sie musste schon 1825 durch eine neue Orgel der Firma Johann Georg Schäfer aus Göppingen ersetzt werden. Dieses Instrument mit 11 Registern auf einem Manual mit Pedal versieht noch bis heute treu seinen Dienst und überrascht mit seiner klanglichen Vielfalt.

 

Im Turm hängen drei Glocken. Zwei davon stammen aus den Jahren 1585 und 1593; sie wurden von dem Ulmer Glockengießer Wolfgang Neidhardt gefertigt. Die dritte Glocke lieferte 1951 die Gießerei Kurtz in Stuttgart. Die Schlagtonlinie des Geläutes (fis – a – h) entspricht dem Te-Deum-Motiv.

 

An der Südseite des Turmes befindet sich eine hübsche, farbig gestaltete Sonnenuhr mit den vier Evangelistensymbolen und der Inschrift: „Ihr wisset nicht, zu welcher Stunde der Herr kommen wird“ (nach Mt 24, 42.44 und 25,13).